Bedrohung durch häusliche Gewalt nicht runter spielen

15. April 2020
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Gestern hat Innenminister Reul verlautbart, dass die Zahlen der Fälle von häuslicher Gewalt während der Coronakrise in NRW auf 3.200 im Zeitraum 1. März bis 13. April 2020 zurückgegangen seien. Im Vorjahreszeitraum habe die Zahl noch bei 4.500 Fällen gelegen. Hierzu erklären Anja Butschkau, frauenpolitische Sprecherin, und Dennis Maelzer, kinderschutzpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag NRW:

Anja Butschkau:
„An der Aussagekraft der von Innenminister Reul bekannt gegebenen Zahlen haben wir erhebliche Zweifel. Ein realitätsferner Rückgang von 30 Prozent kann nur das Resultat von fehlenden Zugängen sein. Durch die Krisensituation suchen die Frauen die Schutzeinrichtungen nicht auf, zum einen weil sie die Gesamtsituation für die Familie nicht verschärfen möchten und zum anderen weil sie sich vielleicht keiner weiteren Ungewissheit aussetzen möchten. Gleichzeitig erzeugt die ständige Nähe zum Täter eine enorme Drohkulisse. In Krisensituationen werden Machtverhältnisse in der Beziehung ausgespielt.

Anstatt sich mit den reinen Fallzahlen zu begnügen, sollte sich die Landesregierung darüber Gedanken machen, wie sie von Gewalt betroffene Frauen erreichen kann. Viele Opfer wissen eben nicht, wie sie sich Hilfe holen können. Hier könnte der Ausbau an digitalen Möglichkeiten eine schnelle Hilfe sein.“

Dennis Maelzer:
„Alle Expertinnen und Experten warnen aber schon lange vor der hohen Dunkelziffer. Schulen, Kitas und Jugendtreffs sind geschlossen. Eine Kindeswohlgefährdung wird dadurch schwerer erkannt, und es fehlen den Kindern Vertrauenspersonen, denen sie sich öffnen können. Deshalb sind Zweifel an der Aussagekraft über einen vermeintlichen Rückgang der Zahlen mehr als berechtigt.

Selbst der Corona-Expertenrat der Landesregierung spricht von einer ,Zunahme häuslicher Gewalt und Kindeswohlgefährdung’. Wenn der Kinderschutz zur Legitimation eines raschen Ende des Lockdowns dienen soll, wird er gerne als Argument herangezogen, ansonsten spielt die Landesregierung die Gefahr für Kinder herunter.

Von Beginn der Krise an hat die SPD den Kinderschutz in den Mittelpunkt ihrer Anfragen gestellt und dazu ein 15-Punkte-Papier vorgelegt. Hierzu gehört, dass Schulen und Kitas weiter Kontakt halten, Mittel für den Kinderschutz zu 100 Prozent ausgezahlt und Telefon- und Onlineberatungen ausgebaut werden.“


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