Wer das hört – wer kann das dann überhören?

11. Mai 2020
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In der heutigen Sitzung des PUA zur Aufklärung der Missbrauchsfälle in Lügde wurde auch eine Zeugin des Jobcenters Lippe gehört. Hier wurde Andreas V. im Dezember 2016 unter Begleitung des Pflegekinds M. vorstellig. Die Zeugin erinnerte sich an ein eingeschüchtertes und lethargisches Kind, das eindeutige Hinweise auf sein schlechtes Wohlergehen gegeben, und an einen Andreas V, der mit anzüglichen Bemerkungen deutliche Anzeichen für sein sexuelles Vergehen an dem Kind offengelegt haben soll. Die Zeugin gab an, zahlreiche Stellen über ihren Verdacht des sexuellen Missbrauchs frühzeitig informiert zu haben. Die Reaktionen darauf seien teilweise harsch und einschüchternd gewesen. Hierzu erklärt Andreas Bialas, Obmann der SPD-Fraktion im PUA „Kindesmissbrauch“:

„Der PUA erforscht insbesondere, ob es frühzeitigHinweise auf den sexuellen Missbrauch gab und wie verantwortliche behördliche Stellen darauf reagierten – oder eben nicht.Es macht mich fassungslos und wütend, wenn zur Tat an sich deutlich wird, dass die früh Warnenden nicht nur nicht gehört wurden, sondern vielmehr eingeschüchtert wurden, mit vermeintlich falschen Verdächtigungen aufzuhören. Es wird immer fraglicher: Wer das hört – wer kann das dann überhören?

Es geht aber nicht um Fälle oder Zuständigkeiten, es geht hier um Kinder. Wir stellen an vielen Punkten fest, dass Kinderschutz vor allem eine Haltungsfrage ist. Das gilt auch und vor allem bei sexualisierter Gewalt gegen Kinder. Die heute gehörte Zeugin hat in dieser Hinsicht vorbildlich gehandelt und nicht locker gelassen. Es kann und darf nicht wahr sein, dass sie auch heute noch das Gefühl hat, dass sie von manchen als eine Art ‚Nestbeschmutzerin‘ angesehen wird.“

Zur Arbeit des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses fügt Bialas hinzu: „Leider verfügen wir auch zehn Monaten nach Einsetzung des PUA immer noch nicht über die vollständigen angeforderten Akten der Justiz. Wir kennen also auch nicht die Ermittlungsakten. So müssen wir bei Zeuginnen und Zeugen oftmals im Nebel stochern und werden von deren Aussagen überrascht.“


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