„Wo war die Landesregierung, als die Warnungen eingingen?“

9. Januar 2022
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Stefan Kämmerling:

Im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss „Hochwasserkatastrophe“
(PUA V) wurden heute die Chef-Meteorologin des ZDF, Dr. Katja Horneffer, die Leiterin des ARD-Wetterkompetenzzentrum, Silke Hansen, sowie der Präsident des Deutschen Wetterdienstes (DWD), Prof. Dr. Gerhard Adrian, als Zeugen und der Leiter der Vorhersage- und Beratungszentrale des DWD, Franz-Josef Molé, als sachverständiger Zeuge gehört.

Im Zentrum der Vernehmungen standen dabei Auskünfte über die meteorologische Situation sowie die Warnung der Bevölkerung im Vorfeld der Hochwasserkatastrophe. Demnach sei die Lage über die drohenden Unwetter aus meteorologischer Sicht schon frühzeitig und ungewöhnlich klar absehbar gewesen. So habe das ZDF laut Frau Dr. Horneffer bereits am 8. Juli in seinen Nachrichtensendungen unmissverständlich formuliert, „was sich da zusammenbraut“. Spätestens ab dem 12. Juli sei klar gewesen, dass es zu „exorbitanten Regenmengen seit Menschengedenken“ kommen werde. Darauf habe das ZDF auch im heute journal hingewiesen. Auch das ARD-Wetterkompetenzzentrum habe schon an diesem Tag eine Sondermeldung für den WDR herausgegeben, wonach mit bis zu 150 Litern pro Quadratmeter Starkregen zu rechnen sei. So soll der heutigen Aussage von Frau Hansen zufolge einer ihrer Kollegen, den sie als „eher ruhig“ kannte, bereits da von „regional katastrophalen Szenarien“ gesprochen haben. Um 10.35 Uhr des 12. Juli habe er dann eine Unwetterwarnung u.a. für die regionalen Gebiete der Eifel, des Bergischen Lands, des Sauerlands und des Siegerlands herausgegeben. Dabei haben sich sowohl das ZDF als auch die ARD auf die amtlichen Wetterwarnungen des DWD gestützt, die beide Vertreterinnen der öffentlich-rechtlichen Medien als angemessen und vollumfänglich bezeichneten. Dem haben in der heutigen Vernehmung auch die Vertreter des DWD beigepflichtet.

Hierzu erklärt Stefan Kämmerling, Obmann der SPD-Fraktion im PUA V:

„Angesichts dieser Fülle an Warnungen, die es im Vorfeld der Hochwasser-Katastrophe von amtlicher Seite gegeben hat, stellt sich einmal mehr die Frage, was die Landesregierung mit diesen Informationen gemacht hat.

Schon weit vor dem Starkregen-Ereignis hätten alle Alarmglocken angehen müssen. Mit der frühzeitigen Aktivierung des Krisenstabs bereits im Vorfeld der Unwetter, und zwar schon ab dem 12. Juli 2021, hätten die zuständigen Behörden und Organisationen des Katastrophenschutzes  jedenfalls in die Lage versetzt werden können, umgehend auf aktuelle Ereignisse und Entwicklungen reagieren und möglicher Weise Menschenleben retten zu können. Diese Chance wurde aber vertan, weil die entsprechenden Schlüsse nicht gezogen worden sind.

Warum die Landesregierung die Warnungen nicht gehört hat, muss der PUA aufklären.


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